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Wissenswertes zum Thema Rassismus

Die gesellschaftliche Debatte zum Thema Rassismus in Deutschland wird aktuell mit Leidenschaft und teilweise sehr aufgeregt geführt. Das ist gut so. Niedersachsen ist kein rassistisches Land, aber es gibt Rassismus, und die davon betroffenen Menschen leiden darunter.

Doch was genau ist eigentlich Rassismus? Wie äußert sich Rassismus und wer ist davon betroffen? Woher kommt Rassismus und was können wir gegen Rassismus in Niedersachsen tun? Ein kleines Dossier zum Thema.

Was bedeutet "Rassismus"?
Kurz gesagt: Rassismus ist, wenn jemand denkt, bestimmte Menschen zum Beispiel diejenigen mit weißer Hautfarbe, sind besser als andere Menschen. (aus: "einfach POLITIK: Einmischen. Mitentscheiden. Über das Mitmachen in der Demokratie.", herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung)

Etwas ausführlicher erklärt:
  • Der Begriff Rassismus ist von „Rasse“ abgeleitet.Rassismus beruht auf der Behauptung, dass Menschen in voneinander abgrenzbare Rassen unterteilt sind.
  • Diese angeblichen "Menschenrassen" seien gekennzeichnet durch verschiedene Charaktereigenschaften, Fähigkeiten und Wertigkeiten.
  • Rassismus erzeugt eine Unterscheidung von„wir“ und „die Anderen“ und schafft scheinbare Distanz.
  • Meist wird mit solchen Aussagen versucht, den eigenen Stellenwert zu erhöhen, andere abzuwerten und Privilegien zu schaffen.
  • Rassismus begegnet uns überall – nicht nur in der Programmatik rechtsextremistischer Parteien, sondern auch im Alltag.
(aus: "Rassismus begegnen - Praktische Hilfestellung für Demokratiearbeit vor Ort", herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung)

Wie äußert sich Rassismus und wer ist von Rassismus betroffen?

Viele Menschen, die einen Migrationshintergrund haben, können von alltäglichen Erlebnissen berichten, in denen sie mit Rassismus konfrontiert waren. Ins öffentliche Bewusstsein rückte das, als der 24-Jährige Ali Can unter dem Hashtag "'MeTwo" auf Twitter von seinen Erfahrungen mit Rassismus erzählt. Immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund berichteten unter diesem Hashtag von ihren alltäglichen Erfahrungen mit Rassismus. Innerhalb kürzester Zeit sammelten sich Tausende Berichte.

Woher stammt der Begriff Rassismus?

Der Begriff Rassismus, also die Zuordnung von Menschen zu einer vermeintlichen Rasse, entstand im 19. Jahrhundert. Dabei spielte die Kolonialisierung Afrikas und Südamerikas eine große Rolle. Die Rohstoffvorkommen der eroberten Gebiete wurden ausgebeutet, Millionen von Afrikanern wurden versklavt. Innerhalb der europäischen Mächte entwickelte sich dadurch ein Gefühl der moralischen und zivilisatorischen Überlegenheit. Mithilfe der Naturwissenschaften wurde diesem Gefühl dann ein vermeintlich wissenschaftlicher Unterbau gegeben: Menschen wurden aufgrund äußerer Merkmale bestimmten Gruppen zugeteilt, es entstand die Idee der unterschiedlichen Rassen und einer erblichen Überlegenheit der einen über die andere. Diese Vorstellung gipfelte nicht zuletzt in der Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten.



Rassistisches Gedankengut ist weit verbreitet

Inzwischen ist die Menschheit um einiges Wissen reicher. So weiß man mittlerweile, dass sich eine rassistische Vorstellungen wissenschaftlich nicht belegen lassen. Das ändert allerdings nichts daran, dass rassistisches Gedankengut noch immer in vielen Köpfen sehr lebendig ist. Dies zeigt unter anderem die Studie "Die enthemmte Mitte" der Universität Leipzig. Oftmals sind sich Menschen, die rassistisches Gedankengut hegen und andere diskriminieren, dessen gar nicht bewusst, sondern der festen Überzeugung, vollkommen aufgeklärte, vorurteilsfreie Menschen zu sein.


Das Grundgesetz gestattet keine Diskriminierung

Die Gesetzeslage in Deutschland ist in Hinblick auf rassistische Diskriminierung eindeutig. Das Grundgesetz besagt: "Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.“ Klingt ganz eindeutig – doch so einfach ist es nicht. Denn trotz der klaren Gesetzeslage erleben Menschen mit Migrationsgeschichte häufig Diskriminierung. Ob nun bei der Wohnungssuche, beim Diskobesuch oder beim Sport. Einer Umfrage zufolge hat in der EU jeder dritte Mensch mit Migrationsgeschichte in jüngster Vergangenheit Diskriminierung am eigenen Leib erlebt.
Was können wir gegen Rassismus in Niedersachsen tun?

Gegen Rassismus können wir nur gemeinsam etwas tun. Jeder ist gefragt und jeder ist aufgerufen, sich gegen alltäglichen Rassismus einzubringen. Das können Sie tun:
  • Bedenken Sie vorher: Ist das die richtige Situation, um zu diskutieren? Haben Sie mögliche Unterstützerinnen und Unterstützer in der Nähe oder können Sie andere bei einer Situation unterstützen? Will Ihr Gegenüber überhaupt ins Gespräch kommen oder nur schlechte Stimmung machen? Sie müssen nicht auf jede Parole reagieren. Sie können sich auch erst weiter informieren und später reagieren.
  • Haben Sie Mut und trauen Sie sich - auch einfach "Stopp" zu sagen hilft! Manchmal hilft es auch, einfach Stopp zu sagen. Bringen Sie zum Ausdruck, dass Sie diese Äußerungen nicht hören wollen und selbst eine andere Meinung haben! Dies können Sie auch, ohne Gegenargumente einzubringen.
  • Holen Sie sich Hilfe und Rückendeckung! Sprechen Sie mit Kolleginnen und Kollegen,Vorgesetzten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder Nachbarn! Nehmen Sie Kontakt mit einer Beratungsstelle auf.
  • Machen Sie verstecktes sichtbar! Zum Beispiel mit einer Rückfrage: Meinen Sie tatsächlich,dass alle Ausländerinnen und Ausländer kriminell sind? Wen meinen Sie denn konkret damit? Wollen Sie wirklich,dass alle das Land verlassen?



Aber ich bin doch kein Rassist!

"Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber...": Sätze wie diesen kann man derzeit häufig hören und im Internet lesen. Wer das sagt oder schreibt, ist meist der festen Überzeugung, nichts gegen Menschen anderer Herkunft zu haben - auch wenn im zweiten Teil des Satzes häufig Vorurteile folgen. Ist das schon Rassismus? Ja, sagt der Konfliktforscher Andreas Zick, denn wer eindeutig rassistische Dinge sagt, sei auch ein Rassist. Und er warnt: Rassistische Politik führe nachweislich zu einer erhöhten Gewaltbilligung und -bereitschaft.

„Deutschland hat ein Rassismus-Problem"


„Deutschland hat ein Rassismus-Problem, das lässt sich nicht leugnen. Wenn der Staat seine Schutzfunktion erfüllt, ist Zuwanderung auch vermittelbar. Bürger, die dem Staat vertrauen, gehen auch weitere Schritte im Zusammenleben mit. Die allermeisten Menschen in Deutschland wünschen sich – davon bin ich überzeugt – ein faires, freundliches Klima in unserer Gesellschaft. Aber dafür müssen wir auch aktiv etwas tun. Alle von uns sind angesprochen, wenn Mitbürger schlecht behandelt werden.“

Ministerpräsident Stephan Weil im Interview mit dem Tagesspiegel

Weitere Informationen zum Thema Rassismus

Wissenschaftlich ist belegt, dass alle Menschen denselben Ursprung haben. Trotzdem hält sich weiterhin die Meinung, dass es verschiedene Rassen gibt, die einen unterschiedlichen Wert haben. Wie konnten solche rassistischen Einstellungen entstehen?

Artikel-Informationen

26.10.2018

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