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Partnerprovinz Anhui

Die Provinz Anhui liegt im Nordwesten Ostchinas. Auf 139.600 Quadratkilometern leben dort 66 Millionen Menschen (2006). Die Hauptstadt ist Hefei. Anhui gehörte bis Anfang der 90er Jahre zu den ärmsten Provinzen Chinas, hat sich aber seitdem beispiellos entwickelt. Niedersachsen und die Provinz Anhui sind in ähnlicher Weise geprägt durch die Bedeutung der Landwirtschaft. So ist Anhui eine wichtige Versorgungsregion für den Entwicklungsgroßraum Shanghai, Provinz Jiangsu (Nanjing), Provinz Zhejiang (Hangzhou). Neben seiner landwirtschaftlichen Bedeutung verfügt die Provinz über reiche Bodenschätze, insbesondere Kohle, Eisenerz, Kupfer, Kalkstein und Schwefel. Mit Deutschland wickelt Anhui inzwischen zehn Prozent seines Außenhandels ab. Das Gebirge des "Gelben Berges" (Huang Shan) wurde 1990 zum UNESCO Weltnatur- und Kulturerbe erklärt.

Niedersachsens Partnerschaft mit Anhui besteht bereits seit 1984. Damals unterzeichneten Ministerpräsident Ernst Albrecht und Gouverneur Wang Yuzhao die erste Vereinbarung über partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen einem Land der Bundesrepublik Deutschland und einer Provinz der Volksrepublik China.

Anfänge der Partnerschaft seit 1984

Anfangs war neben der Kooperation im Landwirtschaftsbereich, durch die mit niedersächsischer Hilfe eine Musterfarm errichtet wurde, der Hochschulbereich ein Schwerpunkt der partnerschaftlichen Zusammenarbeit. Niedersachsen unterstützte die Provinz Anhui in den Folgejahren bei Planung und Aufbau der Technischen Fachhochschule Hefei nach deutschem Vorbild. Es wurden gemeinsame Forschungsvorhaben durchgeführt, . Niedersachsen förderte ein Stipendiatenprogramm und Stipendiaten, Dozenten und Laboringenieure aus Anhui wurden an niedersächsischen Fachhochschulen in mehrmonatigen Aufenthalten bis 1995 fortgebildet. Nach den politischen Geschehnissen in China im Juni 1989 kam die Partnerschaft vorerst zum Erliegen, lebte allerdings 1995 wieder auf: Der damalige Gouverneur der Provinz, Hui Liangyu, folgte gemeinsam mit einer Wirtschafts- und Handelsdelegation der Einladung des damaligen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder nach Niedersachsen. Ein Ergebnis dieses Besuches war, dass beide Seiten erklärten, die Zusammenarbeit auf den Gebieten Industrie, Technologie, Wissenschaft und Kunst fortzuführen. Ein Abkommen zur Intensivierung des Austausches von Studierenden und Lehrkräften sowie der Sprachausbildung unter Einbeziehung von Hochschulen der Provinz Anhui wurde am 6. März 2000 unterzeichnet.

Intensivierung der Zusammenarbeit seit 2001

Im Dezember 2001 unterschrieben der damalige Ministerpräsident von Niedersachsen Sigmar Gabriel und der Gouverneur der Provinz Anhui, Zhonglin Xu, ein Memorandum zur Fortsetzung des Partnerschaftsabkommens. Ministerpräsident Christian Wulff aktualisierte bei seinem Besuch in Hefei 2005 die Partnerschaftsvereinbarung mit Anhui.

Ein Beispiel für die Zusammenarbeit im Umweltbereich ist das Forschungsprojekt des Leichtweiß-Institutes der Universität Braunschweig zur Minderung der Eutrophierungsfolgen am Chao-See. Bei einem anderen Projekt wurden Umweltfachleute der Provinz Anhui von der Deutschen Management Akademie Niedersachsen (DMAN) in Celle ausgebildet . Zudem hat die HAWK Fachhochschule Hildesheim Holzminden Göttingen ihre chinesische Außenstelle an der Partner-Universität Hefei zum Umwelttechnologie-Transferzentrum erweitert.

Anlässlich seiner Chinareise 2006 unterzeichnete der Niedersächsische Minister für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Hefei eine Kooperationsvereinbarung, die 2009 im Rahmen der Feierlichkeiten zum 25-jährigen Jubiläum der Partnerschaft zwischen Niedersachsen und Anhui aktualisiert wurde. Die darin vereinbarten Projekte reichen von der beruflichen Bildung über erneuerbare Energien und Tierzucht bis zur Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse.

Anlässlich der Feierlichkeiten zum Jubiläum 2009 unterzeichneten die Partner eine neue Vereinbarung. Als neuer Schwerpunkt wurde die Zusammenarbeit in der Berufsausbildung vereinbart. So werden beispielsweise mit niedersächsischem Know-how Fachkräfte für Kraftfahrzeugmechatronik in Tongling in der Provinz Anhui ausgebildet. Die Europaschule BBS1 Northeim entwickelt in Kooperation mit der Provinz Anhui die Zusatzausbildung "Chinakaufmann / -frau".

Ein Reger Austausch besteht auch zwischen den Hoch- und Fachhochschulen. Im Frühjahr 2009 unterzeichneten die Wissenschaftsminister von Niedersachsen und Anhui eine gemeinsame Erklärung über die Fortsetzung und Intensivierung der Zusammenarbeit im Hochschulbereich.

Mit Hilfe von Lehreraustauschprogrammen werden chinesischen Deutschlehrern Studienaufenthalte in Niedersachsen ermöglicht. Umgekehrt sind bereits seit 1985 mit Unterstützung des Kultusministeriums und des Wissenschaftsministeriums Deutschlehrer aus Niedersachsen an der Universität Hefei tätig.

Im Wirtschaftssektor werden bilaterale Kooperationen vorrangig zwischen kleineren und mittelständischen Betrieben in Niedersachsen und Anhui angestrebt. Aber auch größere Unternehmen nutzen die guten Verbindungen: Die Osnabrücker Sievert AG und Co. KG ist über zwei Joint Ventures seit 2007 in China mit Produktion und Vertrieb in Hefei aktiv. Die Continental AG plant, 2010 in Hefei ein Reifenwerk zu eröffnen. Die Grundsteinlegung für das Werk erfolgte im Oktober 2008 im Beisein des damaligen Niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff.

Aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums der Partnerschaft zwischen Niedersachsen und Anhui besuchte der Gouverneur von Anhui, Wang Sanyun, vom 21. bis 24. Oktober 2009 Niedersachsen und absolvierte in Begleitung einer 60-köpfigen Delegation aus den Bereichen Wissenschaft, Bildung, Kultur und Wirtschaft ein dichtes Programm in Einbeck, Hannover und Osnabrück.  

Am 3. und 4. Juli 2010 besuchte der stellvertretende Niedersächsische Ministerpräsident, Wirtschaftsminister Jörg Bode, mit einer Delegation aus Niedersachsen die Partnerprovinz. Ein Schwerpunkt des Besuches war die Zusammenarbeit bei der Entwicklung des ländlichen Raumes und der Agrartechnik. Daher nahm auch die Niedersächsische Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung, Astrid Grotelüschen, an der Spitze einer Gruppe niedersächsischer Firmen aus der Agrarbranche an der Delegation teil. Auf dem Programm standen Besuche im ländlichen Raum, Gespräche mit dem Landwirtschaftsminister der Provinz und ein Symposium mit niedersächsischen und chinesischen Unternehmen. Für den Ausbau der Kooperation auf dem Gebiet der allgemeinbildenden und der Berufsbildung wurde eine Gemeinsame Erklärung des Ministeriums für Bildungswesen der Provinz Anhui und des Niedersächsischen Kultusministeriums unterzeichnet.

Vom 24. bis 28.09.2012 veranstaltete die niedersächsische Partnerprovinz Anhui in Niedersachsen eine Anhui-Woche. In diesem Rahmen organisierte Anhui mit Unterstützung des Landes Niedersachsen eine große Ausstellung in der Hochschule Hannover.
Sie wurde am 24.09. durch Vizegouverneur Liang und Staatssekretär Dr. Lange eröffnet. Zu sehen waren hochwertige Landschaftsfotografien, Kalligraphien und Malereien. Neun Künstler reisten eigens aus Anhui an, um eine Woche lang ihre traditionellen Künste vorzuführen.
Die IHK Hannover war am 24.09.2012 Gastgeber für eine Präsentation von Investitionsmöglichkeiten in Anhui und gelungenen Wirtschaftskooperationen mit Niedersachsen.

Chinesische Häuser in der Provinz Anhui

Gemeinsame Erklärung über die Zusammenarbeit zwischen der Provinz Anhui (Volksrepublik China) und dem Land Niedersachsen (Bundesrepublik Deutschland) aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums ihrer Partnerschaft

 deutsch
(PDF, 0,83 MB)

 chinesisch
(PDF, 0,77 MB)

Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Herr Mattias Hirschfeld

Ref. 304 Internationale Beziehungen, interregionale Zusammenarbeit
Planckstraße 2
30169 Hannover
Tel: +49 (0) 511-120-6784
Fax: +49 (0) 511-120-99-6784

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